FEBRUAR 10
Angst, Aggression, Andersartigkeit. In
dem von Birgit Schrowange präsentierten 60-minütigen "EXTRA - Spezial:
Angst vor den neuen Nachbarn! Woran die Integration von Ausländern in
Deutschland scheitert", die RTL am 8. März, 22.15 Uhr, zeigt,
dokumentieren "EXTRA"-Reporterin Düzen Tekkal und
"EXTRA"-Redaktionsleiter Jan Rasmus die hochexplosiven Konflikte
zwischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und wohlhabenden,
alteingesessenen Bewohnern des ehemaligen Bonner Regierungswohnviertels
Bad Godesberg. Dabei gehen sie der steigenden Gewaltbereitschaft der
meist muslimisch geprägten Teenager auf den Grund und konfrontieren
erstmalig zwei jugendliche Straftäter mit Opfern gewalttätiger
Übergriffe. Das Fazit der Autoren und von Experten: Die in Bad Godesberg
gescheiterte Integration wirft längst düstere Schatten auf die
zukünftige Entwicklung in ganz Deutschland.
HIER
können Sie die Pressemappe mit ausführlichen Informationen zu diesem
EXTRA-Spezial downloaden.
"Das Bad Godesberg Phänomen" – zwei
Welten prallen aufeinander
Sie fühlen sich heimatlos, als Außenseiter im eigenen Land. Die einen
haben alles, sie, als Migranten, haben nichts. Jetzt aber schlagen sie
zurück, holen sich, was ihnen vermeintlich zusteht. Bundesweit liegen
Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Kriminalstatistiken weit
vorn. So auch in Bad Godesberg, ein besonders anschauliches Beispiel für
die zunehmende Gewaltbereitschaft. Hier liegen edle Villen und
renommierte Gymnasien nur wenige hundert Meter Luftlinie von den
Vierteln entfernt, die nach dem Weggang der Bundesregierung
hauptsächlich von zugezogenen Migranten bewohnt werden. Zwei Welten
prallen aufeinander.
In dem einstündigen "EXTRA"-Spezial ist das RTL-Team ganz nah an den
Tätern dran und begleitet Ahmed (19) und Mehdi (26) durch die Straßen
von Bad Godesberg. Die beiden Intensivstraftäter erzählen dabei von
ihrem Leben und ihrer Perspektivlosigkeit und äußern sich zu ihrem
aggressiven Vorgehen. "Die Deutschen hier im Villenviertel haben alles,
wir haben gar nichts. Ich ziehe die ab und nehme mir das, was mir
zusteht. Sonst denkt ja keiner an mich“, so Ahmed, der seit seinem 11.
Lebensjahr als Vollwaise auf sich allein gestellt und derzeit wegen
schwerer Raubdelikte auf Bewährung ist. In der Akte des 26-jährigen
Mehdi stehen bereits über 1000 Einbrüche. Wegen seiner Straftaten saß er
bereits sechs Jahre im Gefängnis. Sieht er keine Möglichkeit, auf
legale Weise in Deutschland Geld zu verdienen? "Wer soll mich denn
einstellen bei dem Vorstrafenregister? Ich würde mich doch selber nicht
einstellen." Der Intensivstraftäter, dessen Eltern aus dem Iran stammen,
hat längst resigniert
Experten warnen vor einer bundesdeutschen Entwicklung
Viele jugendliche Migranten kommen oft aus bildungsfernen Schichten. Sie
haben kaum Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt und spüren deutlich die
ungleiche Chancenverteilung. Der soziale Neid wächst und damit auch die
Aggressivität und ihre Gewaltbereitschaft. Beim sogenannten "Abziehen"
wohlhabender Jugendlicher bleibt es dabei schon lange nicht mehr.
Einbrüche und Ladendiebstähle stehen auf der Tagesordnung. Laut
Polizeistatistik NRW gab es von Oktober bis Dezember 2009 insgesamt 158
Einbrüche. Opfer und Polizei bleiben machtlos zurück.
Der anerkannte Soziologe Wolfgang Bergmann kennt sich mit der
Integrationsproblematik bestens aus und warnt: "Das Problem der
gescheiterten Integration ist keineswegs mehr ein isoliertes Thema nach
dem Motto: 'Das geht mich nichts an und spielt sich nur in Berlin-
Kreuzberg ab'. Es zieht jetzt in die Villenviertel der feinen Leute und
das ist das Beispiel Bad Godesberg.“
Dabei gibt es ebenso positive Beispiele für Integration in der
Nachbarschaft. "Die Jungs machen sich das zu einfach und schaden uns
allen damit, weil die Deutschen dann denken, dass alle Migranten
kriminell sind", so Wasim O. (28). Er hat syrische Wurzeln, ist in Bad
Godesberg geboren und aufgewachsen und heute Geschäftsführer eines
Computerfachgeschäfts. Auch bei ihm wurde versucht, einzubrechen. "Ich
habe mir alles hart erarbeitet. Auch ich habe Migrationshintergrund und
bin ohne Vater aufgewachsen, aber das ist kein Grund für mich kriminell
zu werden“, führt er Ahmed und Mehdi vor Augen.
Das besondere Konfliktpotential der dritten Migrantengeneration
Auf den Straßen von Bad Godesberg treffen Ahmed und Mehdi auch auf den
türkischen Buchautor Cem Gülay (39). Nach einer langen kriminellen
Laufbahn hat er in einer Autobiographie seinen Frust über das Verhalten
der Deutschen gegenüber Einwanderern ausgedrückt, aber auch Kritik an
dem Verhalten von Migranten geübt. "Es sind Grenzviertel, da sind
Konflikte vorprogrammiert. Die Migranten denken, da ich sowieso
schlechter gestellt bin, perspektivlos bin und mir alles egal ist, habe
ich wenigstens eins: die Gewalt", weiß Cem Gülay aus eigener Erfahrung.
Laut Experten bietet dabei die 3. Generation der Migranten besonderes
Konfliktpotential. Wolfgang Bergmann: "Die erste Generation versucht,
sich anzupassen, die zweite sieht Aufstiegschancen, in der dritten hat
man resigniert. Die Deutschen erkennen beispielsweise die Türken nicht
an, aber die Türken sind jetzt auch nicht mehr bereit, die Deutschen
anzuerkennen."
Das "EXTRA-Spezial: Angst vor den neuen Nachbarn! Woran die Integration
von Ausländern in Deutschland scheitert" ist eine alarmierende
Bestandsaufnahme aus der Perspektive aller Betroffenen. Sie zeigt, wie
wichtig Integrationsmaßnahmen wie frühkindliche Förderung, Bildung und
das Schaffen von positiven Vorbildern sind.
Die "EXTRA"-Spezial-Autoren Jan Rasmus und Düzen Tekkal im Presse
Aktuell-Interview:
Jan Rasmus (Redaktionsleiter von "EXTRA"):
Sie sind Redaktionsleiter von "EXTRA" und Autor des "EXTRA"-Spezials.
Wie schätzen Sie die Brisanz des Themas "gescheiterte Integration in
Deutschland" insgesamt ein?
Jan Rasmus: Ich denke, das ist eines der großen
Gesellschaftsthemen der nächsten Jahre. Denn mit der Zahl der nicht
integrierten und gewaltbereiten Jungendlichen und jungen Erwachsenen
steigt auch die Zahl der Menschen, die sich von Ihnen bedroht fühlen.
Das kann man gut in Bad Godesberg beobachten, wo die Integration
gescheitert ist und Kriminalität und Gewalt an der Tagesordnung sind.
Und wenn das Thema erst einmal in der Lebenswelt der Deutschen
angekommen ist, dann ist es ein Thema, das alle betrifft.
Das "EXTRA" Spezial ermöglicht Einblicke in die Gedanken und
Lebenswelt junger Straftäter mit Migrationshintergrund. Wie haben Sie
diese Menschen selbst erlebt?
Jan Rasmus: Ich bin kein Sozial-Romantiker. Aber Ahmet, das ist
die Hauptfigur unserer Reportage, hatte wirklich ein schweres Schicksal.
Er wurde mit 11 Jahren Vollwaise, ist also ohne Eltern aufgewachsen. Es
gab keinen Lebensplan, dazu kam soziale Kälte. Aus Wut auf die anderen,
denen es vermeintlich so viel besser geht, wurde irgendwann kriminelle
Energie. Eine bessere Idee hatte Ahmet nicht. Weil ihm - wie vielen
Migranten-Kindern - die positiven Beispiele und Vorbilder fehlen, wie
man es bei uns zu etwas bringen kann. Entweder Rapper oder Gangster, das
ist es. Aber der Ahmet weiß, dass seine Mutter nicht stolz wäre auf
das, was er tut. Das zerreißt ihn innerlich.
Wie schwierig ist es, das Problem der gescheiterten Integration in
Deutschland in einer Reportage aufzugreifen? Läuft man nicht Gefahr,
Vorurteile gegenüber Ausländern zu schüren?
Jan Rasmus: Selbstverständlich tut man das. Aber das müssen wir
in Kauf nehmen. Leider gibt es viele Menschen, die hören sowieso nur
das, was sie hören wollen. Die erreicht keine andere Botschaft. Aber
deswegen können wir doch nicht den Mantel des Schweigens über dem Thema
ausbreiten, so wie es viele Bad Godesberger tun. Manche schweigen aus
Angst vor Repressalien, andere haben wirtschaftliche Interessen im Auge,
wiederum andere Sorge, in die 'rechte Ecke' gestellt zu werden. Aber
alle gemeinsam haben ein Problem. Und wir verstehen uns als das
Sprachrohr für diese Menschen und ihre Sorgen. Wir trauen uns,
Wahrheiten auszusprechen - auch wenn sie unbequem sind.
Düzen Tekkal (Redakteurin/Reporterin "EXTRA"):
Sie haben bereits mehrere Beiträge zum Thema Migration verfasst. Wie
schätzen Sie die Prognose von Experten ein, dass sich Konflikte wie in
Bad Godesberg auf ganz Deutschland ausbreiten werden?
Düzen Tekkal: Ich glaube, dass das Thema sogar noch
unterschätzt wird. Im Zuge meiner Recherchen, habe ich immer wieder die
Erfahrung gemacht, jemand, der nichts zu verlieren hat, nicht an diese
Gesellschaft glaubt, der wütend, perspektivlos und frustriert ist,
stellt eine Gefahr für jede Gesellschaft dar. In Bad Godesberg kommt
dies durch die unmittelbare Nähe der gutsituierten bürgerlichen Viertel
und der im hohen Maße von Arbeitslosigkeit betroffenen Migrantenviertel
besonders deutlich zum Ausdruck.
Sie haben die straffällig gewordenen Jugendlichen Ahmed und Mehdi
über eine längere Zeit begleitet. Wie haben Sie die jugendlichen
Straftäter bei den Dreharbeiten erlebt?
Düzen Tekkal: Einerseits war ich schockiert über die anfänglichen
Aggressionen und die Wut auf ihr verkorkstes Leben, die mir entgegen
strömten. Erstaunlicherweise waren sie durchaus reflektiert. Sie wissen
genau, dass Sie die Verlierer sind. Andererseits hatte ich das Gefühl,
dass sie dankbar dafür waren, dass ihnen endlich mal jemand Gehör
schenkt und sich ihrer Probleme annimmt. Denn das sind sie nicht
gewohnt. Mehdi hat längst resigniert. Seine 6-jährige Inhaftierung und
die schlechten Erfahrungen im Gefängnis haben ihn so sehr geprägt, dass
er nur eins im Kopf hat: Rache nehmen an den Deutschen. Bei Ahmed habe
ich vor allem eine tiefe Traurigkeit und Hilflosigkeit wahrgenommen. Als
Vollwaise ist er hier ganz auf sich allein gestellt. Gemeinsam haben
sie allerdings den ausdrücklichen Wunsch, dass sich was in ihrem Leben
ändert.
Sie haben selbst kurdische Wurzeln. Wie wichtig ist es Ihnen, auf das
Thema der Integrationsproblematik in Deutschland aufmerksam zu machen?
Düzen Tekkal: Sehr wichtig, die Tendenzen die ich auf
Deutschlands Strassen wahrnehme, sind mehr als beunruhigend. Es sind
Kampfansagen an unsere Gesellschaft. Wenn wir uns die demographische
Entwicklung in diesem Land vergegenwärtigen und die Tatsache, dass jedes
3. Kind in Zukunft Migrationshintergrund haben wird, erklärt sich von
selbst, warum es wichtig ist, dass wir diesen Teil der Gesellschaft
integrieren. Integration heißt für mich, sich als erwünschtes Mitglied
dieser Gesellschaft zu fühlen. Auf der anderen Seite müssen die hier
lebenden Migranten auch noch deutlichere Bekenntnisse zu unserem
hiesigen Wertesystem üben.
Ist Integration für Migrantenkinder aus bildungsfernen Schichten
überhaupt möglich?
Düzen Tekkal: Ich selbst habe, wie gesagt, kurdische Wurzeln und
bin eines von 11 Geschwistern. Meine Mutter ist Analphabetin und zu
Hause wurde kein Deutsch gesprochen. Aber trotzdem ist uns die
Integration gelungen, weil uns die richtigen Werte vermittelt wurden und
wir frühkindlich im Kindergarten gefördert wurden. Ob Schule oder
Sportverein, in meiner Kindheit gab es keine Trennung von Deutschen und
Migranten. Das kann man mittlerweile leider nicht mehr behaupten.
Hinweis: Aktuell ruft RTL zum dritten Mal zur Teilnahme am
Com.mit Award für Integration auf. Der RTL-Medienpreis richtet sich
gezielt an Schülerinnen und Schüler, die in Eigenregie, als Gruppe oder
im Rahmen eines Schulprojektes Konzepte für Filmbeiträge erarbeiten
können zum Thema Integration und Migration. Schirmherrin ist die
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und
Integration, Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer. RTL-Chefredakteur
Peter Kloeppel: "Junge Menschen erreicht man gerade über die Medien sehr
gut. Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen mit dem
Thema Integration mit Hilfe des Fernsehens auszudrücken und sie damit
für dieses Thema zu sensibilisieren. Die rege Teilnahme und die
außergewöhnlichen Ergebnisse in den vergangenen Jahren sind Beleg dafür,
wie stark Schüler dieses Thema anspricht." Ausführliche Informationen
gibt es unter www.rtlcommit.de.